Radtourismus: Zahlen und Trends im Überblick
Wer Radgäste gewinnen will, braucht exzellente Produkte, klare Botschaften und ein Angebot, das die tiefen Sehnsüchte dieser Zielgruppe trifft.
Ein besonders attraktives Gästesegment
Radgäste kommen zu 80–90 % aus Deutschland und Österreich, sind überwiegend Paare (über 50 %) und im Schnitt 56 Jahre alt. Die Hälfte verfügt über ein monatliches Nettohaushaltseinkommen von mehr als 4.000 Euro. Besonders bemerkenswert: 8 von 10 Radgästen sind Stammgäste – deutlich mehr als beim durchschnittlichen Sommergast (65 %).
Auch bei Aufenthaltsdauer und Ausgaben liegt das Segment vorne: Radgäste bleiben im Schnitt 7,7 Nächte (Sommergast: 6,8), buchen zu 74 % direkt und geben rund 188 Euro pro Tag aus. Übernachtet wird bevorzugt im 4-Sterne-Hotel, wobei auch Camping mit 11–17 % deutlich stärker genutzt wird als im Durchschnitt (6 %).
Ein Markt mit großem, ungenutztem Potenzial
Allein in Deutschland gibt es 10,6 Millionen Radurlauber – weitere 35,3 Millionen können sich eine Radreise künftig vorstellen. Österreich zählt bereits 3,9 Millionen Radgäste mit steigender Tendenz: Mehr als ein Viertel aller Österreich-Sommergäste (26 %) ist radaffin, 13 % sind reine Radurlauber. Zusätzliches Potenzial zeigen die Slowakei (36 % Radfahreranteil), Tschechien (34 %), die Niederlande (26 %), Polen (25 %) und Ungarn (22 %).
Wohin die Radreise führt
Bei den Auslandsreisezielen deutscher Radurlauber liegt Österreich mit 28 % auf Platz 1 – vor Italien (26 %) und Frankreich (20 %).
Zwei Urlaubstypen, ein gemeinsamer Nenner
75 % der Radgäste sind Sternen-Tour-Fahrer: Sie nächtigen an einem Standort und unternehmen von dort aus unterschiedliche Tagestouren – meist Paare oder Familien, treu und mehrfach wiederkehrend. Für sie zählen ein gutes Radnetz und Einkehrmöglichkeiten.
20 % sind Rad-Wanderer: Sie reisen in Gruppen, erkunden bei jedem Urlaub einen neuen Radweg und planen ihre Tagesetappen genau.
Was Radgäste wirklich erwarten
Natur und Landschaft sind mit 71 % der wichtigste Grund für die Destinationswahl, gefolgt von Sportmöglichkeiten (40 %) und dem Tourismusangebot (30 %).
Ein gutes Radwegenetz gilt dabei als Voraussetzung – nicht als Alleinstellungsmerkmal. 69 % wählen ihre Unterkunft nach der Lage am Radweg.
Neben dem Radfahren selbst erkunden 70 % der Gäste den Ort, 55 % gehen essen, 50 % besuchen Attraktionen und 48 % gehen spazieren. Das Segment Genussrad steht dabei klar an erster Stelle, gefolgt vom E-Bike – Rennrad bleibt mit 1 % eine Nische.
Was das für Anbieter bedeutet
- Das Saisonpotenzial reicht von Mitte April bis Mitte Oktober
- Infrastruktur und begleitende Services müssen durchgängig hohe Qualität bieten
- Gastronomie entlang der Strecke ist fixer Bestandteil des Erlebnisses
- Vor Ort braucht es fahrradfreundliche Mobilitätsketten
- Die Kommunikation sollte auf Genuss, Leichtigkeit und Erholung setzen – mit klaren Reiseanlässen
Radgäste stärken dabei nicht nur den Tourismus, sondern auch die lokale Kaufkraft ländlicher Regionen.
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